In 168 Tagen

Die 7 Todsünden - Märchen und Musik

Lübeck

26.09.2021

17:00 - 18:30

Anfang des 19. Jahrhundert schufen die Gebrüder Grimm mit ihrer Sammlung von Märchen einen moralischen Fundus, aus dem wir bis heute schöpfen können. Wir durchforsteten diese Märchen nach den sieben Todsünden und fanden eindrückliche Beispielgeschichten: „Frau Holle“ für Faulheit und Neid, „Rumpelstilzchen“ für Habgier, Hochmut und Zorn und „Rotkäppchen“ für Völlerei und Wollust. Demgegenüber fanden sich die Tugenden Humanität und Weisheit in „Hans im Glück“. 

Der Lübecker Komponist und Pianist Arnold Nevolovitsch komponierte dazu kleine Fantasien für Orgel und Oboe. 
Der venezolanische Musiker Sergio Sanchez, der viele Jahre in Lübeck an der Musikhochschule Oboe studiert hat, wird die Kompositionen gemeinsam mit Arnold Nevolovitsch zum Klingen bringen. 
Der Lübecker Peter Röhling liest die Märchen vor.

Mit freundlicher Unterstützung durch:

Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck

Dräger-Stiftung

Eintritt frei, Spende erbeten

Arnold Nevolovitsch, Komponist und Pianist
Für mich als Komponist ist es immer interessant, wenn jemand mich engagiert, Musik zu komponieren. Das bedeutet für mich, dass meine Musik gefragt ist, was für jeden Komponisten das Wichtigste ist. Dafür bin ich Peter Röhling sehr dankbar. In diesem Fall zieht mich auch die tiefe philosophische Idee mit den sieben Todsünden an und die praktische Möglichkeit, im Ensemble mit talentierten und netten Menschen zusammen zu arbeiten, dem wunderbaren Oboisten Sergio Sanchez und dem Ideenträger und sehr guten Vorleser Peter Röhling. Die Märchen der verschiedenen Völker liebe ich seit der Kindheit, russische Märchen, die Märchen von Charles Perrault, von Hans Christian Andersen, von den Brüdern Grimm und andere. Hier wird in Märchenform Gut und Böse, Laster und Tugend, Weisheit und Dummheit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit gezeigt. Die können interessant für Kinder und Erwachsene sein, weil es hier verschiedene Schichten gibt, oberflächliche und tiefere, dabei in der Regel mit Happy-End, was Zufriedenheit bringt. Die Märchen, kann man sagen, sind die Schule des Lebens.


Peter Röhling, Vorleser
Der Titel der Veranstaltung ist zugegeben etwas reißerisch und hält sicher einer kritischen Betrachtung nicht stand, weil die „7 Todsünden“ aus dem Vokabular der christlichen Kirchen schon lange entfernt sind. Ermutigt wurde ich durch die vielen Freunde und Bekannten, die auf diesen Titel mit großem Interesse reagierten und offenbar sofort wussten, worum es gehen sollte. 
Ich arbeite seit über 40 Jahren in der Suchtvorbeugung und habe immer wieder festgestellt, dass Süchte nicht nur den Körper und das Gefühlsleben durcheinanderbringen, sondern auch Wertvorstellungen massiv schädigen. Deshalb glaube ich, dass die Stärkung von menschlichen Werten eine suchtvorbeugende Wirkung haben. Für eine Auseinandersetzung mit solchen Werten sind Märchen und Livemusik besonders gut geeignet, weil sie eine Fülle an Interpretationen erlauben und doch eine klare Eindeutigkeit hinsichtlich Gut und Böse in sich haben. Da trifft es sich gut, dass ich sehr gerne vorlese und gerade auch Märchen mag. Arnold Nevolovitsch hat schon viele sehr erfolgreiche Musicals für die Schüler meiner Frau komponiert, und so lag es für mich nahe, ihn um kleine Kompositionen zu bitten. Ich kenne Sergio Sanchez, seit er hier in Lübeck sein Studium der Oboe begonnen und abgeschlossen hat und weiß, wie wissensdurstig und wie gut er auf der Oboe ist. Er war sofort begeistert, als ich ihm meine Idee vortrug und so musste Arnold Nevolovitsch Kompositionen für Orgel und Oboe schaffen, eine wahrhaft seltene Kombination

Sergio Sanchez, Oboist
Dieses Projekt bedeutet mir sehr viel, als Mensch und als Oboist. Schon länger hegte ich den Wunsch, mit Peter Röhling zusammen ein Programm zu entwickeln, in dem er liest und ich dazu spiele. Im Gespräch sind wir auf das Thema „Die sieben Todsünden“ gestoßen. Nun brauchten wir noch einen Komponisten, der dazu passende Musik schreiben würde. Der war in Arnold Nevolovitsch schnell gefunden. Ich halte „Die sieben Todsünden“ für ein besonders wichtiges Thema. Wir leben in einer Welt, wo alles verfügbar ist und viele sich rücksichtslos alle Wünsche sofort erfüllen können. Und das in einer Geschwindigkeit, die enormen Druck auf den Einzelnen ausübt, mitzuhalten. Die Folge: Wir werden immer einsamer und sind in unserem Egoismus gefangen. Unsere Kraft, nein zu sagen, wird geschwächt und wir überlassen uns allen möglichen Verführungen. Kunst kann helfen, diesem Druck zu widerstehen. Mit ihr kann man lernen sich Zeit zu lassen, sich auszuprobieren, Fehler zu machen und sich selbst zu vergeben. Man kann in ihr Glücksmomente erleben und so verhindern in chronische Unzufriedenheit zu verfallen. Am meisten hört man die Märchen in der Kindheit, da, wo Geschwindigkeit keine Rolle spielt. In Selbstvergessenheit und Zeitlosigkeit nehmen sie die Botschaften der Märchen in sich auf. Kinder haben Zeit, dabei ihre Moralvorstellungen unbewusst zu entwickeln. Auch wir Erwachsenen erleben in den Metaphern der Märchen, dass sie uns bewegen und uns zum Nachdenken anregen. Nicht der schlechteste Impuls, unserer Gesellschaft einen Dienst zu tun.

Gunhild Heidermann, 1. Vorsitzende von PERLE e. V.
Perle e. V. ist ein gemeinnütziger Verein in Lübeck, der seit seiner Gründung 2006 Angebote zur Suchtvorbeugung entwickelt. Die gesamte Angebotspalette ist auf der Internetseite aufgelistet unter „perle-luebeck.de“. Peter Röhling, der Geschäftsführer von PERLE e. V., ist zugleich Musikliebhaber und pflegt seit Jahren gute Kontakte zur Musikhochschule und deren Studenten. In vielen persönlichen Gesprächen erkannte er, dass das Musizieren auf hohem Niveau außerordentlich suchtpräventive Aspekte beinhaltet, vor allem in den besonders gefährlichen Jugendjahren, denn die jungen Musiker haben ein hohes Maß an Selbstdisziplin, an Frustrationstoleranz und an kleinen und großen Glückserlebnissen, die durch keine noch so schillernde Droge erlebt werden können. Vor diesem Hintergrund ist der Verein sehr gerne Urheber dieses interessanten Formats.
 

Auf der Karte

Kirche St. Andreas

Schlutuper Kirchstraße 17

23568 Lübeck

Deutschland


Gut zu wissen

Weitere Infos
Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung bekommen Sie auf der Gemeindewebseite von www.kirche-ll.de: https://www.kirche-ll.de/gemeinden/luebeck/st-andreas.html

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